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Der rote Riese auf Rädern


Trotz des eindeutigen Schwerpunkts auf „normalen“ Nutzfahrzeugen, fanden sich auf der IAA immer wieder auch besonders ausgefallene Exemplare – wie der diesjährige MOL HF8066.


Als unabhängiger Hersteller von Lastkraftwagen, Anhängern und Abfallsammelfahrzeugen nutzte in diesem Jahr das belgische Unternehmen MOL die IAA, um seine neuesten Ölfeldfahrzeuge der starken Baureihe HF8066 vorzustellen. Bei aller internationaler Bedeutung der IAA gehörte dennoch das rollende Erkundungsequipment nun nicht unbedingt zum typischen Exponate-Programm auf dem niedersächsischen Ausstellungsgelände. So ist es MOL besonders hoch anzurechnen, den angereisten Besuchern mit dem übergroßen 6x6 in diesem Jahr ein sprichwörtliches Highlight geboten zu haben. Dabei ist der HF8066 mit Allradantrieb der größte Ölfeldversorger, den das Unternehmen jemals mit Geländekapazitäten für die Wüste gebaut hat und der voraussichtlich bis 2019 in den Öl- und Gasfeldern Nordafrikas und des Nahen Ostens in Dienst gestellt werden wird.

Der neue HF8066, der im Stammwerk in Staden produziert wurde, ist über 4 m hoch, über 14 m lang und für ein zul. GG von 80 t ausgelegt. Die flache Pritsche ist mit einer liftbaren Sattelkupplung ausgestattet, die es ermöglicht, einen Trailer mit einem Gesamtgewicht von immerhin 230 t aufzunehmen. Charakteristisch für einen Ölfeld-Lkw ist die solide Frontstoßstange. Diese dient beispielsweise dazu, einen anderen, festgefahrenen Lastwagen aus dem Konvoi durch schwierige Geländebedingungen zu schieben. Eine weitere Besonderheit dieser übergroßen Wüstenschiffe ist die Fähigkeit, auch bei Temperaturen jenseits der 50 °C (122 °F) eingesetzt werden zu können. 

Bei der Präsentation des Fahrzeugs in Hannover betonte so auch Martin Mol, CEO bei MOL: „Kein anderer derzeit in Europa gebauter Lkw kann die Nutzlast und die Geländefähigkeit unseres neuen HF8066 bieten. Er bietet eine neue Möglichkeit, die enormen logistischen Anforderungen für den Aufbau von Bohranlagen in abgelegenen Standorten zu erfüllen. Der 15-l-Motor der Cummins X-Serie ist ein überaus geeigneter Antrieb für den Lastkraftwagen und bietet die großen Drehmomentreserven, die für die Fahrt durch Sanddünen und andere schwierige Gelände benötigt werden.“

Um alle Herausforderungen bestmöglich beantworten zu können, verwendet MOL den Cummins X15 für die Straßenversionen als auch den QSX15 für Offroad-Versionen der eigenen Zugmaschinen. Mit bis zu 625 PS (460 kW) bei 1800 U/min und einem maximalen Drehmoment von 2779 Nm bei 1000 U/min liefert der Motor die Kraft und Haltbarkeit, die nach MOL-Angaben benötigt wird, um die bis zu 230 t Gewicht des HF8066 ziehen zu können. Die neueste Version des X15-Motors wird 2019 die niedrige Euro-6-Abgasnorm ohne Abgasrückführung (AGR) erfüllen und eine einfachere Wastegate-Turboaufladung nutzen, was wiederum den Vorteil einer leichteren Kühlung in der rauen Wüstenhitze und eine einfachere Wartung mit sich bringt.

Die MOL-Ölfeld-Lkw haben eine 6x6-Antriebsformel. Teile des Antriebsstrangs sind so der Drehmomentwandler, das Lastschaltgetriebe und die Planetenachsen. Mutter Natur gab den Kamelen große Füße, um sie oben auf dem Sand zu halten, anstatt darin zu versinken. Das gleiche Prinzip gilt natürlich auch für die MOL-Ölfeld-Lkw. Sie sind mit einzelnen Niederdruck-Sandreifen ausgestattet, die eine große Bodenkontaktfläche, ein niedriges Druckverhältnis am Boden und eine hohe Tragfähigkeit aufweisen. Zusätzlich wird ein halbautomatisches Reifenfüllsystem eingesetzt, um die Traktion im weichen Sand zu erhöhen, indem der Luftdruck des Reifens gesenkt und eine größere Kontaktfläche zwischen dem Reifen und dem Boden geschaffen wird.

Die Lastwagen sind nach dem Kiss-Prinzip gebaut: keep it simple and straightforward. Eine lange und breite Pritsche ist auf dem robusten Fahrgestell montiert und mit einer leistungsfähigen Winde direkt hinter dem Fahrerhaus ausgestattet worden. Sie ist dafür ausgelegt, Lasten oder Skids ohne externe Hilfe laden oder entladen zu können. Zu diesem Zweck ist die Plattform mit einer anhebbaren mittleren Rolle und einer Rolle an der Rückseite versehen. Das Stahlseil der Winde wird an der Ladung befestigt. Wenn das Seil nun auf die Winde gewickelt wird, hebt sich die Ladung über die Heckumlenkung des Seils an und gleitet über die Rolle auf die Plattform. Zum Entladen wird die mittlere Rolle angehoben, damit der Skid nach unten rutscht und sich dann durch Abrollen des Windenseils weiter abgesenkt.

Bis vor Kurzem waren die Ölfeld-Lkw auch mit einem sogenannten Ginpole ausgestattet, der mit der Winde hochgehoben wurde und in Betriebsposition als rudimentärer Kran zum Heben und Bewegen von Ladungen eingesetzt wurde. Allerdings ist diese Funktion nach Aussage von MOL in den vergangenen Jahren immer mehr in Vergessenheit geraten, da an ihrer Stelle in zunehmendem Maße Mobilkrane zum Laden entsprechender Lasten genutzt wurden – auch, weil der Materialumschlag so schneller und sicherer erfolgen kann.


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